Kundenfreundliche Lieferverträge

Der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Stromlieferverträge sind nicht selten ein Buch mit sieben Siegeln. Lesen und prüfen Sie Lieferverträge genau bevor Sie eine Unterschrift unter den Vertrag setzen. Nicht selten stehen vor allem in den Vertragsanlagen oder AGB´s kundenunfreundliche Formulierungen, denn mit Belieferung von Energie geht auch ein Versorger ein nicht unerhebliches Risiko ein. Das muss natürlich begrenzt werden. Aber das sollte „einvernehmlich“ erfolgen und keinen Vertragspartner übervorteilen. Hier hilft eigentlich nur gründliches lesen.

Die Prüfung von Energielieferverträgen durch Anwälte ist zum Teil zwecklos, da die meisten Anwälte wenig Erfahrung mit der Materie Energie haben. So kann ein Stromliefervertrag als inhaltlich (= rechtlich) unbedenklich eingestuft werden, weil zum Beispiel im Fall einer Preiserhöhung ein Sonderkündigungsrecht besteht. Energietechnisch kann eine Formulierung von „im Falle einer Preiserhöhung (die mindestens 4 Wochen vor Anpassung zugehen muss) haben Sie das Recht innerhalb von 14 Tagen auf den Zeitpunkt der Vertragsanpassung zu kündigen“ sehr große Probleme bereiten.

Die Problematik steckt dabei wieder einmal im Detail, denn ein Energieversorger muss einen „Belieferungswunsch“ für einen Kunden beim jeweiligen Netzbetreiber anmelden. Hierfür gibt es allgemeingültige Fristen. Die Belieferung durch einen neuen Energieversorger kann nur erfolgen, wenn die Anmeldung hierzu im vorletzten Monat vor Beginn der Belieferung erfolgt (z.B.: im November für den nächsten 01.01 eines Jahres).

Vor diesem Hintergrund können Sie im skizzierten Beispiel, auf Grund der Preiserhöhung (die Ihnen nur 4 Wochen vor Inkrafttreten bekannt gemacht wird) , keinen Wechselprozess mehr starten, selbst wenn die Prüfung der Anpassung ein deutliches Ersparnispotenzial bereithält. Sie wären also dieser, vermeintlich unproblematischen Vertragsformulierung, wehrlos ausgeliefert.

Ebenso enthalten viele Verträge unschöne Verlängerungsoptionen, Preisanpassungsmöglichkeiten die den üblichen Rahmen überschreiten und Strafen, wenn Sie zu viel oder zu wenig Energie benötigt haben. Ein extrem schlechtes Beispiel ist eine Regelung eines Versorgers der die Veränderungen im Verbrauch sogar nach Tag- und Nachtstrom unterteilt und somit Kunden „bestraft“ bei denen es zu Verschiebungen in der Verteilung gekommen ist. Dabei wurden die Verträge zum Teil mit falschen Verteilungen ausgestellt, so dass ein Kunde selbst bei absolut konstantem Verbrauch das Lieferjahr mit einer Nachberechung abgeschlossen hat.

Achten Sie ebenfalls auf die im Vertrag stehenden Schaltzeiten und vergleichen Sie mit einer Lastganganalyse ob die im Vertrag stehenden Prognosewerte sich tatsächlich „errechnen“ lassen.

Im Bereich der Gasbelieferung ergeben sich zusätzlich noch ganz andere Problematiken, denn nicht selten ist der Gasliefervertrag 20 Jahre alt, liegt im Keller oder wurde auf Grund der 10 jährigen Aufbewahrungsfrist bereits vernichtet. Alles was Sie dann in Ihrem Ordner finden sind Veränderungsschreiben und Preisanpassungen, aber keinen zusammenhängenden Vertrag. Hier müsse Sie zunächst Fakten schaffen und Ihren Gaslieferanten mal auf Trapp bringen. Geben Sie ihm aber auch ein paar Tage Zeit, denn auch der muss unter Umständen das halbe Archiv durchwühlen um einen Vertrag zu finden, der von der Vor-Vor-Gesellschaft ausgestellt wurde. Mit allergrößter Wahrscheinlichkeit entsprechen Teile der Verträge nicht mehr den heutigen rechtlichen Bestimmungen.

Gaslieferverträge enthalten zur Gaspreisfindung mehr oder weniger komplexe Formeln, falls Sie keinen neuen Festpreisvertrag besitzen. Selbst wenn die Formel an sich verständlich und für Sie nachvollziehbar formuliert wurde, verlangt eine Überprüfung von Quartals- oder Halbjahrespreisanpassungen weiteres detektivisches Geschick. Nur mit relativ viel Aufwand finden Sie die Zusammensetzung und Entwicklung von Preiskomponenten wie der HEL oder einer allgemeingültigen Lohntabelle.

Manchmal könnte man vermuten, dass ein Lieferant überhaupt nicht will, dass Sie die Preise nachvollziehen können......

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